24 Poster insgesamt

Ammar Alkarm

Einleitung: Die Langzeitstabilität von periimplantären Geweben ist für die tägliche klinische Praxis von großer Bedeutung. Es ist gut dokumentiert, dass die Implantatinsertion mit einer anfänglichen physiologischen Remodellierung des marginalen Knochenniveaus (marginal bone levels, MBLs) verbunden ist (Lang & Berglundh, 2011). Diese anfängliche Knochenremodellierung muss von einem pathologischen, fortschreitenden krestalen periimplantären Knochenverlust unterschieden werden. In einer retrospektiven Studie (Grimm and Schmitz 2020) konnten wir zeigen, dass Veränderungen desMBLs und das Ti-Implantat Design keine statistisch signifikante Abhängigkeit aufwiesen. Zielstellung dieser retrospektiven Studie war es deshalb, den Einfluss der wichtigsten marginalen Ti-Implantat Design-Faktoren auf die Stabilität des marginalen Knochen-Niveaus zu ermitteln. Wir untersuchten das „peri-protect“ Design und die Oberflächenbehandlung der marginalen Implantatschulter als Faktoren der unterschiedlichen implant tissue level Charakteristik.

Material und Methode:

Der Vergleich zwischen Ti-Implantaten mit unterschiedlicher implant tissue level Charakteristik bezüglich des postoperativen MBLs erfolgte auf der Basis vergleichbarer region of interests (ROIs) elektronisch unter Nutzung des IMAGE J-Verfahrens. Es wurden gepaarte präoperative DVT-Bilder und postoperative periapikale Rö-Bilder mit reproduzierbaren Orientierungspunkten ausgewählt. Das Mess-Verfahren wurde doppelt ausgeführt, der Auswerter wurde bezüglich der Patienteninformation und für die Identifikation des postoperativen Röntgenbild verblindet. Bei der Auswertung wurde zwischen zweiteiligen Implantaten der Regular-Form und der konischen Formunterschieden.

Ergebnisse: Der Vergleich unserer Implantatsysteme mit verschiedenem Implantat-Design (zylindrisch und konisch) zeigte einen signifikanten Unterschied des marginalen Knochenniveaus nach der Belastung bis zu 1 Jahr. Die Subgruppenanalyse ergab einen Vorteil von Implantaten mit einer Oberflächenbehandlung der marginalen Implantatschulter. Insgesamt konnten wir Unterschiede zwischen Implantaten mit konventioneller implant tissue level Charakteristik und Implantaten mit modifizierter Makrogeometrie in Abhängigkeit von der eingesetzten Suprakonstruktion beobachteten.

Schlussfolgerung:

Unter dem Vorbehalt der geringen Anzahl der untersuchten Fälle weisen Implantate mit optimierten „peri-protect“ Design und einer Oberflächenbehandlung der marginalen Implantatschulter bei festsitzenden Suprakonstruktionen offensichtlich eine statistisch signifikant geringere Resorption des postoperativen marginalen Knochens auf als Implantate mit konventioneller implant tissue level-Charakteristik.

 





Priv.-Doz. Dr. Sigmar Frank Schnutenhaus MSc

Objective

The aim of this prospective clinical study was to investigate differences between virtually planned and clinically achieved implant positions in completely template-guided implantations as a function of the tooth area, the use of alveolar ridge preservation, implant length and diameter and primary implant stability.

Materials and Methods

60 patients were enrolled in the study and the accuracy of 48 implants was analyzed. The implantations were completely template-based. The data of the planned implant positions were superimposed with the actual clinical implant positions, followed by measurements of the 3D deviations in terms of coronal (dc) and apical distance (da), height (h), and angulation (ang) and statistical analysis.

Results

The mean dc was 0.7 mm (SD: 0.3), the mean da was 1.4 mm (SD: 0.6), the mean h

was 0.3 mm (SD: 0.3) and the mean ang was 4.1° (SD: 2.1). The tooth area and the use of alveolar ridge preservation had no significant effect on the results in

terms of implant positions. The implant length had a significant influence on da (p = 0.02). The implant diameter had a significant influence on ang (p = 0.04) and the ISQ had a significant influence on h (p = 0.02).

Conclusion

Template-guided implantation offers a high degree of accuracy independent of the tooth area, the use of measures for alveolar ridge preservation or the implant configuration.

A clinical benefit is therefore present, especially from a prosthetic point of view.



Priv.-Doz. Dr. Sigmar Frank Schnutenhaus MSc

Hintergrund

Keramische Implantate haben sich klinisch bewährt und zeigen Überlebensraten, die denen von konventionellen Titanimplantaten entsprechen. Diese Aussage gilt für einteilige Implantate. Für zweiteilige Implantate kann nach der momentanen Studienlage noch keine Empfehlung ausgesprochen werden. Biokompatibilität, das bioinerte Verhalten und geringe Plaqueanlagerung bewirken im Ergebnis ästhetische und klinische Vorteile durch Keramik und sprechen für die Verwendung auch im Oberkieferfrontzahnbereich. 

Mit dieser Studie sollte untersucht werden, ob die anatomischen Gegebenheiten sowie die geplante prothetische Versorgung für einteilige keramische Implantate in dieser Region geeignet sind.

Material und Methode

Ausgewertet wurden die Daten von 92 Patienten, bei denen konventionelle zweiteilige Titanimplantat im anterioren Oberkiefer gesetzt worden waren. Es erfolgte eine virtuelle Planung in einem Implantatplanungsprogramm, mit der ermittelt wurde, ob die Verwendung von einteiligen keramischen Implantaten möglich gewesen wäre. Es wurden drei Gruppen gebildet: Einzelzahnlücke (A), Schaltlücke mit 3-4 fehlenden Zähnen, die mit zwei Implantaten versorgt wurde (B) und komplexe Versorgungen mit mindestens drei Implantaten (C). Es wurde die Realisierbarkeit bewertet, zudem wurde evaluiert, ob mit einem Mehraufwand, wie zusätzlichen Augmentationen oder einer Veränderung der Implantatanzahl/Position die Verwendung von einteiligen Implantaten ermöglicht werden kann.

Ergebnisse

In Gruppe A hätten in 97.9% der Fälle ohne Mehraufwand einteilige keramische Implantate verwendet werden können. In Gruppe B lag dieser Wert bei 77.3%. Hier hätten weitere 18.2% der Fälle mit zusätzlichen Augmentationen durchgeführt werden können. Auch in komplexen Fällen wäre in 59.1% ohne Mehraufwand eine Versorgung mit einteiligen keramischen Implantaten möglich gewesen. Weitere 18.2% der Fälle wären versorgbar gewesen, wenn entweder eine Umplanung stattgefunden hätte, augmentative Maßnahmen durchgeführt worden wäre oder wenn Implantate mit einem angulierten Abutment verfügbar gewesen wären.

Zusammenfassung

Einteilige keramische Implantate können bei entsprechender Planung und Umsetzung im anterioren Oberkiefer verwendet werden. Die ästhetischen Vorteile der Keramik und die hohe Biokompatibilität können gerade für diesen Bereich, insbesondere in Einzelzahnlücken genutzt werden.


Sandra Fuest, M.Sc.

Basierend auf ausgewählten Prozessparametern konnte in dieser experimentellen In-vitro-Studie eine gleichmäßige und homogene Schicht aus Seidenfibroin auf verschiedenen Implantatmaterialien (Titan, Magnesium und PMMA) durch eine sogenannte Layer-by-Layer Beschichtungstechnik erzielt werden. Die drei Substanzen wurden gewählt, da Titan einen gängigen und repräsentativen Werkstoff im Bereich dentaler Implantate darstellt, und Magnesium als aufkommender Werkstoff für resorbierbare Lösungen den zahnärztlichen Sektor laut aktuellen Studien erobert. PMMA findet bereits seit Jahren Anwendung zur Herstellung von Zahnprothesen oder Knochenzement.

Um eine Reaktion der Materialien mit der wässrigen Fibroinlösung möglichst gering zu halten und die Oberflächeneigenschaften für die Beschichtung so optimal wie möglich zu generieren, wurden die Materialien Magnesium und Titan vorweg mit einer Keramikschicht durch Plasmaelektrolytische Oxidation (PEO) modifiziert.

Die Schichtdicke konnte mit steigender Anzahl an Tauchgängen beliebig hochskaliert werden und erreichte nach fünf Schichten gleichbleibende Werte bei 5,14 ± 0,22 µm, gemessen mittels optischer Analysemethoden. Durch die Entwicklung einer geeigneten Nachbehandlungstechnik ließ sich die thermische Stabilität der Fibroin Schicht auf Proteinbasis kontrollieren, und mittels FTIR-Spektroskopie eine eindeutige Proteinstruktur nachweisen.

Mit Hilfe von TNF-α basierten ELISA Testungen konnte die Immunantwort von Seidenfibroin zur Biologisierung von gängigen Materialien in der Implantologie quantifiziert werden. Die dabei entstandenen proinflammatorischen Biomarker wiesen auf eine korrekte Differenzierung von Monozyten zu Makrophagen hin und erreichten signifikant unterschiedliche Werte zwischen 250 pg/ml und 400 pg/ml.






Univ.-Prof. Dr. Dr. Ralf Smeets

Ziel dieser experimentellen In-vitro Studie war die Entwicklung einer Verbundstruktur aus den bioresorbierbaren Werkstoffen Fibroin und Magnesium zur Anwendung als Barrieremembran für die horizontale und vertikale Augmentation. Sowohl Magnesium als auch Seidenfibroin zeichnen sich durch eine hohe Biokompatibilität und geringe Immunogenität sowie eine kontrollierbare Biodegradierbarkeit aus. Magnesium, in dieser Studie aus einer innovativen Legierung hergestellt, bewirkt durch die Resorption des Materials und der Freigabe von Magnesiumionen einen knochenspezifischen Anreiz zur Bildung von Knochengewebe.

In einem ersten Ansatz wurde Fibroin in gelöster Form als Oberflächenmodifikation für Magnesium untersucht. Dabei kamen verschiedene Beschichtungstechniken zum Einsatz, unter anderem Dip-Coating, Elektrogelation und Vacuum-Drying. Alle Methoden erwiesen sich als äußerst erfolgreich. Besonders die Vakuum-Technik lässt sich kostengünstig in einen industriellen Prozess überführen. In einem weiteren Schritt konnte Seidenfibroin erstmals zu ausgebildeten Strukturen weiterverarbeitet werden, in welche ein Magnesium-Template als starre Leitstruktur eingebettet wurde. Dies kann sowohl durch einen Guss- als auch einen Klebeprozess erreicht werden. Neben elektrogesponnenen Vliesen kamen hier auch poröse Schwämme und gegossene Fibroin-Membranen zum Einsatz. Dabei wirken alle diese Verbundstrukturen durch geeignete Herstellungsverfahren selbstexpandierend und weisen eine individuell anwendungsbezogene Porosität bzw. Stabilität sowie stimulierende Eigenschaften auf. Diese materialspezifischen Merkmale benötigt eine Barrieremembran zur erfolgreichen Geweberegeneration im Rahmen der GBR-Technik. Anhand geeigneter wasser- und alkoholbasierten Nachbehandlungstechniken konnte die Kristallinität der Verbundstrukturen durch Ausbildung einer wasserunlöslichen Beta-Faltblattstruktur erhöht werden, wodurch eine Anwendung In-vivo ermöglicht wird. Dabei erwiesen sich besonders Wasserdampf sowie gewöhnliche Alkohole als brauchbare Methoden.

Eine Verbundstruktur aus Seide und Magnesium als Kompositwerkstoff für GBR-Membranen konnte in dieser experimentellen Studie  erfolgreich realisiert werden. Mittels den entwickelten Verfahren lassen sich beide Materialien miteinander kombinieren und die materialspezifischen Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkstoffen ausschöpfen. Aufgrund dieser neuartigen Materialtechnologie können ökonomisch effiziente Gerüststrukturen für die Regeneration wichtiger Gewebearten im Mund-, Kieferbereich hergestellt werden.


Dr. Dr. Rico Rutkowski

Die Osteoarthritis des Kiefergelenks ist eine chronisch-degenerative Gelenkerkrankung, welche durch eine progrediente Zerstörung des Gelenkknorpels und Verlust der Synovialflüssigkeit charakterisiert ist und zum vollständigen Funktionsverlust führen kann. Trotz eines breiten Spektrums an etablierten symptomatisch-konservativen sowie minimal- bis maximalinvasiven Therapieoptionen, zeigt sich nicht selten eine therapierefraktäre Beschwerdesymptomatik mit fortschreitender Beeinträchtigung der temporomandibulären Funktionseinheit. 

Im Rahmen dieser prospektiven, randomisiert-kontrollierten Studie erfolgte bei insgesamt 28 weiblichen Kaninchen zunächst eine kombiniert mechanisch-biochemische Induktion einer Osteoarthritis im Kiefergelenk (beidseits) und vier Wochen später die einmalige beidseitige intraartikuläre Injektion entsprechend folgender Randomisierung:

Gruppe 1: AB-Serum (50% 0.9% NaCl + 50% Poolserum), Kontrollgruppe

Gruppe 2: Hyaluronsäure (HA)

Gruppe 3: Mesenchymale Stammzelltherapie (STx.), Konz: 1x106 MSC/ml

Gruppe 4: Mesenchymale Stammzelltherapie in Hyaluronsäure als Trägerlösung (STx. in HA), Konz: 1x106 MSC/ml 

Im Rahmen der histologischen Untersuchung ergaben die über jeweils fünf Punkte durchgeführten Messungen eine signifikant erhöhte Knorpeldicke in den stammzellbehandelten Gruppen (Gruppe 4 vs. 1, p = 0.028; Gruppe 4 vs. 2, p = 0.042; Gruppe 3 vs. 1, p = 0.036). 

In der Rasterelektronenmikroskopie konnten darüber hinaus in allen Gruppen Pakete hoch und niedrig mineralisierten Knochens detektiert werden, wobei die mineralisierte Zone in der STx.-Gruppe stärker ausgeprägt erscheint, zusammen mit einer geringeren Chondrozyten-Lakunen-Porosität der mineralisierten Zone.

Die einmalige intraartikuläre Injektion eines stammzellhaltigen, GMP-konformen Arzneimittels für neuartige Therapien (ATMP) zur Behandlung der iatrogen induzierten Osteoarthritis des Kiefergelenks zeigt gegenüber den internen Vergleichsgruppen einen erhöhten chondro- sowie subchondral-regenerativen Effekt.







Dr. med. dent. Christian Buhtz; M.Sc., M.Sc.

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren einen immer größeren Einfluss auf die Implantologie und auf die Zahntechnik genommen [1,2,3,4]. Die Erwartungen an die Vorhersagbarkeit und Sicherheit implantologischer Behandlungen sind in den letzten Jahren immer höher geworden [4].

Digitale Systeme ermöglichen einen Workflow, der einerseits in vielen Fällen auf konventionelle Abformungen verzichten lässt und anderseits ein hohes Maß an Planungssicherheit bietet [1,2,4]. Intraorale Scans vor Behandlungsbeginn können mit virtuellen Wachs-Ups und DVT -Aufnahmen durch Matching-Verfahren in die Behandlungsplanung intergiert werden.  So kann bereits präoperativ das zu erwartende Ergebnis beurteilt und anschließend präzise in der Behandlung umgesetzt werden.

Die Präzision der heutigen Systeme erlaubt bereits die Planung einer Bohrschablone sowie die Fertigung eines individuellen Abutments und einer provisorischen Versorgung präoperativ.  Dies kann rein auf digitaler Datenbasis parallel an unterschiedlichen Orten geschen (s. Fall 2: guided surgery Bohrschablone: Herstellung in Belgien, Abutmentherstellung zeitgleich in Schweden, Provisoriumherstellung zeitgleich im Praxislabor). Dies wird an mehreren Fällen mit unterschiedlichen Systemen unter Verwendung von OP-Videos demonstriert.

Der digitale Workflow von Intraoralscan über DVT-Aufnahme, 3D- Operationsplanung und digitaler Abformung wird systematisch dargestellt und die praktische Umsetzung anhand von OP-Videos visuell verdeutlicht.




PD Dr. Tim Hilgenfeld

Objectives: To evaluate the accuracy and reliability of dental MRI for static guided implant surgery planning.

Materials and Methods: In this prospective study a 0.4 mm isotropic, artifact-suppressed, 3T MRI protocol was used for implant planning and surgical-guide production in participants in need of dental implants. Two dentists decided on treatment plan. Surgical guides were placed intraorally during a subsequent reference cone-beam computed tomography (CBCT) scan. Inter-rater and inter-modality agreement were assessed by Cohen’s kappa. For each participant, dental MRI and CBCT datasets were co-registered to determine three-dimensional and angular deviations between planned and surgically guided implant positions.

Results: Forty-five implants among 30 study participants were planned and evaluated (17 women, 13 men, mean age 56.9 ± 13.1 years). Inter-rater agreement (mean κ: 0.814; range: 0.704–0.927) and inter-modality agreement (mean κ: 0.879; range: 0.782–0.901) were both excellent for the dental-MRI-based treatment plans. Mean three-dimensional deviations were 1.1 ± 0.7 (entry point) and 1.3 ± 0.7 mm (apex). Mean angular deviation was 2.4 ± 1.5°. CBCT-based adjustments of MRI-plans were necessary for implant position in 29.5% and for implant axis in 6.8% of all implant sites. Changes were larger in the group with shortened dental arches compared to those for tooth gaps. Except for one implant site, all guides were suitable for clinical use.

Conclusion: This feasibility study indicates that dental MRI is reliable and sufficiently accurate for surgical-guide production. Nevertheless, more studies are needed to increase its accuracy before it can be used for implant planning outside clinical trials.